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Rezension II Kapitel 3: Wehrlos

am 24.09.2009 | 17:25

„Alles begann mit einem Ruf, einem leisen Ruf…

…aber niemand schenkte ihm Beachtung.“

 

(Nebelchronist)





„Der Zellentrakt erglühte im Schein der Ölbecken. In den Entwelkungskerkern waren Nacht und Tag in Dunkelheit vergessen, gleich jenen, die hier ihr Dasein fristeten. Gaston stand knöcheltief in uraltem Staub. Von allen Seiten fiel der Hall der Schritte auf ihn herab und purpurnes Flüstern füllte seinen Geist.“

Der dritte Teil der Fantasy-Saga „Abseits der Wege“ spielt nur wenige Tage später, nachdem Gaston Glück seinen erblindeten Vater aus den Fluten bei „Stromabwärts“ gerettet hatte. Düster drückt die Erblindung seines Vaters auf Gastons Gemüt. In einem Gespräch zwischen Vater und Sohn findet Gaston die ersten Antworten. Viel Zeit zum Reden bleibt nicht, denn jemand hat „ihre“ Späher ausgeschickt und bedroht Tebalds Leben. Voller Sorge und Gram schickt der Wirt und Nebelchronist seinen Sohn nach Hügeldorn, um ihm einen Boten zu besorgen. Zusammen mit Halmir und Dungring begibt sich Gaston auf seine nächste Reise...

 

In der dritten Folge stimmt wie erwartet die Atmosphäre. Die Stimmung ist düster, das Wetter ist lausig. „Ein Licht, das keine Schatten warf.“ Schon zu Beginn schüttelt man sich. Sound und Geräusche passen hervorragend zur Handlung. Es ist wahnsinnig, wie toll ein Hörspiel abgestimmt sein kann. Die Musik, inklusive der Titelmelodie, ist wunderschön und verstärkt die Spannung. Ich wünsche mir immer mehr, dass endlich ein Soundtrack zu „Abseits der Wege“ veröffentlicht wird.

 

Die Sprecher sind wie gewohnt hervorragend. Jürgen Kluckert, Timmo Niesner, Stefan Krause und Hannes Maurer verkörpern liebevoll ihre doch sehr unterschiedlichen Charaktere. Schön ist es auch wieder Diana S. Borgwardt als Myrell zu hören. Gerade am Ende der Folge holt der Erzähler Heinz Ostermann alles aus sich raus. Seine bis dato beste Darbietung.

 

Die dritte Folge „Wehrlos“ ist nicht ganz so abenteuerlich wie die zweite Folge, als das Welkenwerk stürmisch in Erscheinung trat. In dieser Folge erfährt der Hörer dagegen einiges über das Land und die Geschichte der Nebelchronisten. Vor allem Myrell hilft den ahnungslosen Dreien auf die Sprünge. Natürlich werden auch weiterhin viele Fragen gestellt. Was ist mit dem Verweser? Wie grausam können die Purpurnen Prüfer und ihr Herr sein? Wieso bekämpfen sie das Welkenwerk? Wer ist mächtiger? Wie sollen die drei Jungs nur der Gefahr entkommen?

 

Schon bei „Stromabwärts“ schrieb ich, dass es bei jeder großen Fantasy-Sage etwas Zeit bedarf, die einzelnen Charaktere vorzustellen. In der Folge „Wehrlos“ erfährt man viel über das Königshaus.

 

Action tritt ein wenig in den Hintergrund; der Humor ist dafür grandios. Vor allem der Auftritt des Hauptmanns ist ein Genuss. Folgender Dialog hat es mir besonders angetan:


Hauptmann: „Kenn' ich Euch nicht von irgendwo?“
Gaston: „Unmöglich! Nein, nein, nein! Völlig ausgeschlossen!“
Hauptmann: „Doch, doch, doch! Öffnet die Tür!“
Gaston: „Für sowas habe ich wenig Zeit!“

 

 

Das Cover zu „Wehrlos“ stellt den Thronsaal des Königs dar und zeigt gleichsam Macht und Ohnmacht. Es ist gigantisch und lässt einen positiv stimmen, dass nach dem schönen Motiv „Stromabwärts“ auch weiterhin erstklassige Covers die geniale Hörspielserie „Abseits der Wege“ zieren werden.

 

Fazit: Insgesamt ist „Wehrlos“ ein hervorragendes Fantasy-Hörspiel, und ich war und bin guter Dinge, dass alle weiteren Folgen dieselbe Güte besitzen werden.

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