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Rezension II Gabriel Burns - 35 Das Haus der Seele

am 13.07.2010 | 14:56

"Endlich verstehe ich Sie, Bakerman."
(Steven Burns)

 

"Es existiert. Existiert in Euren Träumen. Lebt von der Nacht. Und Eurer Furcht. Ihr wisst, wovon ich spreche. Ihr meidet diese Orte. Macht "Psssst!" und seht Euch verstohlen um, wenn es jemand wagt, darüber zu sprechen. Würdet um nichts in der Welt um jene Ecke blicken, hinter der es so eigenartig geraschelt hat. War da nicht sogar ein Atmen?"

 

Vorsicht, lieber Leser, denn diese Rezension ist alles andere als neutral. Auch werden bei den folgenden Zeilen Inhalte des Hörspiels wiedergegeben. Also bitte nicht weiterlesen, wenn du keine Erkenntnisse gewinnen willst. Denn um Erkenntnisse geht es hier in dieser Folge. Bislang war es in der Hörspielserie Gabriel Burns so, dass jede Antwort neue Fragen aufwarf. Jedes Puzzleteil, das man in seinen Händen hielt, galt es von beiden Seiten zu betrachten. Was für ein Bild will uns Volker Sassenberg aber insgesamt zeigen? Oder sollten wir lieber nur die Rückseite betrachten und uns in unser Schneckenhaus, sprich Platons Höhle, zurückziehen? Schnell war man in der Geschichte um Steven Burns gefangen. So wie sich der Hauptprotagonist entwickelte, so fieberte man mit ihm, der als großer Bruder seinen jungen Bruder Daniel wie nichts anderesliebte. Die Emotionen waren immer stark. Trauer, Enttäuschung und Resignation wechselten sich oftmals ab. Doch damit ist Schluss. Bakerman hat einen Frevel begangen, der alles ändert.

 

In dieser Folge zielen die Macher insbesonder auf Erkenntnisse und auf einen psychologischen Grusel. Vor allem Larry erwischt es hierbei wieder aufs Neue. Was hätten Bakerman und Schmidt in diesen Momenten empfunden? Empfinden sie überhaupt noch? Bakerman empfindet aus meiner Sicht nicht mehr als der wahnsinnige Kapitän Ahab aus Moby Dick. Sein Team schwört sich auf Bakerman ein und folgt blind dessen Ziel. Vor allem Schmidt gibt dabei alles, um seinen Herrn zu dienen. Schmidt weiß sofort, warum er sich als Niemand gegenüber Steven ausgibt. Hatte es genutzt?

 

Auch nach mehrmaligen Hörer plagt mich vor allem ein Punkt: Aus meiner Sicht hätte Steven seinen toten Bruder zu seinen und dessen Eltern bringen sollen, ja müssen, um die Menschlichkeit in Steven Burns aufrecht zu erhalten. Auch hätte in diesem Fall das unsinnige Opfer um Schmidt nie stattfinden können. Und es musste der Zufall sein, der Steven zur Erkenntnis führte und Schmidt ins Verderben stürzte. Glaubwürdigkeit sieht anders aus, Grusel und Abscheu finden aber bei Gabriel Burns zielgerichtet die Nerven der Hörer. Wen dies nicht stört und den neuen Weg mitgehen möchte, wird auch bei dieser Folge wunderbar unterhalten. Die Musik ist wie immer passend und zeigt das Wechselbad der Gefühle der Protagonisten. Man ist gebannt, auch wenn mir persönlich nicht alles gefällt, was der Feder Andreas Gloge entsprungen ist. Das Team Bakerman hat wie die italienische Fußballnationalmannschaft ausgedient. Theorien und Spekulationen sind auf der anderen Seite zerplatzt. Enttäuschung zerdrückt das Kartenhaus meiner Seele.

 

Die Tragweite dieser Folge ist wohl weiter, als sich die Macher bei der Produktion hatten träumen lassen. Waren in den letzten Wochen und Monaten schon viele einst eifrige Hörer der ersten Jahre verstummt, so gibt es mit "Das Haus der Seele" einen Cut, der manchen Hörer zum Aufhören bewegen könnte. Das klingt zuerst einmal brutal und schlecht, doch das ist es im Grunde genommen nicht: Etwas neues entsteht. Der Umbau von Gabriel Burns, der mit der Folge 31 begonnen wurde, wird viele Hörer begeistern. Gabriel Burns hat einen Teil seiner Masken fallen lassen. Der dritte Fahle Ort ist gefallen. Bakerman geht konsequent seinen Weg. Er sammelt Erfahrungen und erhält einen wichtigen Hinweis für seinen Großen Kampf gegen den Großen Plan.


Was soll und darf man noch zu den Sprechern sagen? Bernd Vollbrecht ist einfach klasse und ich bin immer noch davon überzeugt, dass sein Steven Schritt für Schritt mmer mehr Charakterzüge von Gabriel übernommen hat. Bianca Krahl überzeugt diesmal absolut als Joyce Kramer, während Björn Schalla als Larry Newman sich nochmals richtig reinhängen darf. Besonders toll finde ich auch Silke Super als April Carradine. Und ja: auch Ernst Meincke gibt wie so oft einen wahrlich vortrefflichen Bakerman.

 

Was für eine Folge. Vieles ist klasse, einiges ernüchternd und in meiner Gabriel Burns Welt, wo die Liebe zweier Brüder in die Liebe eines erwachsenen Wesens zu seinem immer noch kleinen Bruder übergegangen ist, unsinnig. Augen auf, liebe Macher. Man kann die Welt mit seinen Augen und Herzen sehen. Nicht jedes Opfer ist sinnvoll und im Gesamtkontext der Serie schlüssig. Gabriel Burns polarisiert immer mehr. Daher darf man noch viel stärker gespannt sein, wie es weitergeht. So packend...

am 20.07.2010 | 08:08

Gabriel Burns - 35. Das Haus der Seele



Erster Eindruck: Wird er fallen?

10 fahle Orte, die dem Bösen anheim fallen werden - und auch Jangal Mandir wird bald dazu gehören. Als Bakerman und Schmidt einem Plan entwickeln, dies zu verhindern, werden sie von einem mächtigen Wesen angegriffen. Steven Burns hingegen findet seine Freiheit - auf der anderen Seite...

Wie kaum ein anderer versteht es Volker Sassenberg, Produzent von Gabriel Burns, sein Publikum anzuheizen und die Spannung auf die Spitze zu treiben. Kein Wunder also, das Teil 34 der Serie an der aufregendsten Stelle endete, "Das Haus der Seele" knüpft nun an die Ereignisse im indischen Jangal Madir an. Und diese beginnt - wie sollte es anders sein - mit stimmungsvollen Anfangsszenen, die einen Ausblick auf das Kommende enthalten und die Auflösung von Geheimnissen enthalten. Tatsächlich wird in dieser Folge der Hintergrund einer der Hauptpersonen aufgedeckt, Fans werden sich über diese weitreichende Offenbarung sicherlich freuen. Doch auch ansonsten ist diese Folge besonders gut gelungen, ein recht flüssiger Handlungsverlauf mit vielen spannenden Stellen, atmosphärisch wie schon lange nicht mehr. Stevens Veränderung im Laufe der Folge lassen kaum noch an den einstigen Buchautor erinnern, seine Wut wird sehr nachvollziehbar dargestellt und sorgt für einen Höhepunkt der Folge. Eine wunderbare Folge, dramatisch, spannend und mit weiteren Erklärungen.

Jürgen Kluckerts eindringliche Stimme setzt wieder starke Akzente, seine stimmungsvollen Textpassagen tragen viel zur Spannung bei, besonders seine Worte im Intro zu dieser Folge. Bernd Vollbrecht kann hier als Steven Burns weitere seiner vielen Facetten ausnutzen und mit verzerrter Stimme Gänsehaut hinaufbeschwören. Mario von Jascheroff ist wieder als Julien Cardieux zu hören und passt wunderbar in die düster-faszinierende Welt der Serie. Weitere Sprecher sind Norman Matt, Andreas Ksienzyk und Silke Super.

Neue Maßstäbe wurden mit der Veröffentlichung von Gabriel Burns gesetzt, und auch wenn einige hervorragende Serien hinzugekommen sind, hat das Sounddesign der Serie nichts von seiner Faszination verloren. Neben den düsteren Klängen und der dichten Atmosphäre sind besonders die langen Pausen, die wahrlich Nerven zerfetzend sein können, herausstechend.

Auf dem Cover wird die Zusammengehörigkeit der Folgen 34 und 35 deutlich gemacht. Denn während bei "Ich weiss, was Angst ist" nur der obere Teil des Wesens zu sehen ist, kann man neben Augen und Bindhi nun auch das verzerrte Maul sehen. Eine einfallsreiche Idee, die mich vollkommen überzeugt hat.

Fazit: Durch neue, weitreichende Erkenntnisse und einen spannenden Handlungsverlauf wird aus dieser Folge eine der besten der letzten Zeit.

VÖ: 23. Juli 2010
Label: Folgenreich / Universal
Bestellnummer: 978-3-8291-2378-5

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