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Die neue Gabriel Burns Episode mit dem Titel "Schmerz" hätte genauso auch "Die fiebrigen Tränen" heißen können. Denn genau das ist der Titel der 25. Point Whitmark-Episode. Dort lernte man bereits die eine Seite der Geschichte aus der Perspektive der drei Nachwuchsreporter Jay, Tom und Derek kennen, nun ist es an der Zeit die volle Wahrheit aus der Perspektive von Bakerman, Joyce, Larry und dem neuesten Mitarbeiter im Team Schmidt zu erkunden.
Ich persönlich bin nicht unbedingt ein großer Verfechter solcher Cross-Over-Ideen, da dadurch sehr schnell eine Menge an Problemen entstehen kann, wenn man zwei Welten miteinander vermengt, die eigentlich kaum mehr gemein haben, als dass sie dem selben Schöpfer entsprungen sind. Zugegeben, mit dem Wissen, das man in der entsprechenden Point Whitmark-Episode erlangen konnte, hat das ganze im Rahmen eines Jubiläums recht gut funktioniert, zumal dadurch ein wirklich spannendes und ereignisreiches Abenteuer entstanden ist.
Prinzipiell ist es auch eine schöne Idee, eine Geschichte aus zwei Perspektiven zu erzählen, die sich gegenseitig ergänzen und mehr oder weniger auch jede für sich funktionieren. Ohne jeden Zweifel ist das eine der schwierigsten Herausforderungen, denen man sich stellen kann, zumal dann, wenn man das ganze nicht einfach nur innerhalb eines Serienkosmos angeht, sondern in zweien, die ganz unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Nun funktioniert auch diese Gabriel Burns-Episode einwandfrei ohne dass man ein einziges Hörspiel der Reihe Point Whitmark kennen muss. Weiß man allerdings nun um die gesamten Hintergründe, so verschiebt sich die Wahrnehmung des identischen Point Whitmark-Abenteuers doch ein wenig zum negativen hin. So passt einiges, was sich hier in Point Whitmark ereignet zwar wunderbar in den Burns-Kosmos, nicht allerdings nach Point Whitmark.
Und genau das ist letztlich derjenige Aspekt an dem ganzen, weswegen ich solchen Ideen grundsätzlich sehr skeptisch gegenüberstehe. Auch wenn man das ganze zugegebenermaßen so gut wie man eine solche Sache nur bewältigen kann durchgezogen hat.
Mit Blick auf den großen Handlungsstrang kann man das vorliegende Burns-Abenteuer durchaus als Stand-Alone-Episode betrachten. Aber eben unter den Gesetzmäßigkeiten von "Gabriel Burns", was bedeutet, dass man selbst ein solches Abenteuer nicht einfach mal rausgreifen und hören kann ohne den Rest zu kennen und vermutlich auch das weitere nicht völlig funktioniert ohne das Wissen, welches man hier erlangt.
Die Verbindung zum großen Plan besteht in der Hinterlassenschaft der Fahlen. Wir erfahren ein wenig mehr über Schmidts Gabe und am Ende über die neuen Pläne Bakermans. Ansonsten gibt es aber wenig erhellendes, was die Vielzahl an offenen Fragen und losen Handlungsfäden anbelangt. Innerhalb eines etwas dichter gestalteten Veröffentlichungsrhythmus würde man die Fans der Reihe mit einem solchen "Experiment" diesbezüglich sicherlich nicht ganz so hart auf die Probe stellen.
Wo ist Steven Burns? Dieser Frage widmen sich Andreas Gloge und Volker Sassenberg in nicht mehr als ein, zwei Sätzen. Der namensgebende Protagonist scheint an Bedeutung verloren zu haben. Betonung auf scheint. Und es ist immer wieder überraschend wie gut die Reihe ohne ihn funktioniert - dank der restlichen Mitglieder im Team Bakerman, die sich im Laufe der Zeit mindestens genauso stark entwickelt haben wie Steven selbst.
Dass Bakermans Absichten dabei wie eh und je eher undurchschaubar sind und Schmidt ein aktuell ebenso undurchschaubarer Charakter im großen Spiel ändert daran nicht das geringste.
In den Vorankündigungen hatte man vollmundig eine böse "Splatter"-Folge angekündigt. Gewiss, schonungslos geht es nicht zur Sache, aber auch nicht wirklich drastischer als es im unmittelbaren Vorgänger der Fall war. Im Gegenteil, mir kommt es sogar eher so vor, als hätte man den Fokus diesmal verstärkt auf die Entwicklung der Geschichte gelegt als auf möglichst detailgenaue Beschreibungen des Grauens. Und wenn diese stattfinden, fügen sie sich stets sehr sinnvoll in die Handlung, um damit Stimmungen und Gefühle zu verstärken. Insofern bin ich froh, dass sich die anfänglichen Befürchtungen nicht bewahrheiten.
Wer das 25. Point Whitmark Hörspiel kennt, der dürfte einen gewissen Wissensvorsprung haben, der einem in den allerersten Minuten doch hilfreich ist. Denn man hält sich nicht lange mit Erklärungen auf, warum sich das Team gerade an diesem Ort befindet. Als Hörer wird man mit den actionreichen Ereignissen der ersten Minuten regelrecht überrumpelt. Erst Stück für Stück erfährt man mehr über die Hintergründe und diesmal beschleicht einen am Ende sogar das Gefühl, dass am Ende dieses Kapitel des großen ganzen betreffend deutlich weniger offene Aspekte zurückbleiben als sonst.
An Ereignisreichem mangelt es nicht. Schauplatzwechsel en masse und an jedem geht es hoch her. Nicht selten ist das ganze auch mit großem Leid verknüpft, wie es der Titel ja bereits andeutet.
Wie das Bakerman-Team in der entsprechenden Point Whitmark-Folge, haben hier die drei Jungs vom Radio nur sehr kurze Auftritte. Eben immer dann, wenn direkte Begegnungen stattfinden.
Erwähnt sei die einmal mehr vortreffliche Dynamik, die ich in vielen anderen Hörspielen so sehr vermisse. Volker Sassenberg, weiß genau, wann er wo welche Musik einsetzt, wann er sich stattdessen für Stille entscheidet und wie er schließlich den Erzähler dazu packt, so dass die Wirkung ihr Optimum entfalten kann. Die zum Einsatz kommenden Stücke empfand ich zwar gar nicht mal als so brachial genial wie sonst, aber das Ergebnis bleibt nichtsdestotrotz absolut überzeugend.
Fazit: Für sich gesehen ein überzeugendes, da actionreiches und packendes Kapitel. Was den großen Plan anbelangt, wird man aber weiterhin auf die Geduldsprobe gestellt. Daran ist nicht zuletzt aber auch der sehr ausgedünne Veröffentlichungsrhythmus schuld.
Note 2+
